Kopieren von Steinskulpturen durch das laserunterstütze Punktierverfahren:

Eine Aufgabenstellung in der Natursteinrestaurierung kann das Herstellen exakter Kopien von Bildhauerarbeiten sein. Figuren aus Stein oder sonstige, hochwertige Bildhauerarbeiten, die historische Gebäude schmücken, sind oft in exponierten Lagen der Witterung ausgesetzt.

Um solche Steinzeugnisse zu schützen und aufgrund ihrer Einzigartigkeit und bauhistorischen Bedeutung zu erhalten, kann man im Sinne der Denkmalpflege diese auch kulturell wichtigen Objekte abbauen, einhausen und durch Nachbildungen in Naturstein ersetzen. Diese Nachbildungen werden in der Regel durch das bekannte Punktierverfahren mit dem Puntierkreuz hergestellt. Diese Technik ist in der Steinbildhauerei üblich, jedoch zeitlich sehr aufwendig und in der Anwendung oft umständlich, da das Punktiergestänge ständig vom Modell zum Werkstück umgehängt werden muss. In unsere Bildhauerwerkstatt arbeiten wir mit dem laserunterstütztem Punktierverfahren. Ein neues Verfahren, das erstmals bei der Herstellung der Kopie des bekannten Glauberger Keltenfürsten von sich Reden machte.

Diese Übertragungstechnik ist im Gegensatz zu dem herkömmlichen Punktierverfahren vollkommen losgelöst von Modell und Werkstück und steht als Einheit im Rücken des Bildhauers. Grundlage des Verfahrens ist das Triangulationsprinzip. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass von zwei festen Punkten auf einer Geraden die Lage eines dritten Punktes genau definiert werden kann.

Bei der Bildhauerarbeit sieht das folgendermaßen aus:

  • Das zu kopierende Modell und Werkstück stehen in einem Bestimmten Abstand auf Drehtellern.
  • Der Abstand der beiden Drehteller entspricht genau dem Fahrweg eines ca. 2 Meter hohen Mast, der sich auf einer Schiene linear bewegen lässt und im Rücken des Bildhauers steht.
  • An diesem Mast sind an beweglichen Stangen drei Punktlaser und ein Strichlaser befestigt.

  • Die Lichtquellen kann man auf dem zu kopierenden Objekt nun so plazieren, dass beispielsweise der Strichlaser eine senkrechte Linie auf dem Objekt erzeugt. Die Punktlaser werden so fokussiert, dass sie exakt auf der Linie des Strichlaser liegen und die Punkte darstellen, die der Bildhauer am Werkstück ausarbeiten und markieren will.
  • Wird der Mast der Verfahreinheit nun zum Werkstück bzw. des Rohsteins bewegt, kann man feststellen, dass aufgrund des noch überschüssigem Steinmaterials die Laserpunkte und der Laserstrich nicht mehr überlagern sondern in erheblichem Abstand zueinander stehen.

  • Durch manuelles Abarbeiten des Steins mit Bildhauerwerkzeugen kann man jetzt feststellen, wie die Laserpunkte sich dem Laserstrich kontinuierlich annähern bis schließlich ein exaktes Überlagern der Lichtquellen eintritt und die Übertragungspunkte millimetergenau ausgearbeitet und markiert sind.

  • Diese Vorgänge werden nun entsprechend oft wiederholt, so dass so viel Übertragungspunkte ausgearbeitet wurden, dass das zu kopierende Objekt durch ein Netz von Punkten übersät ist und ein detailgetreues Herstellen der Steinkopie möglich ist.

Der große Vorteil dieser Übertragungstechnik liegt zum einen darin , dass aufgrund der Anzahl von Punktlasern mehrere Übertragungspunkte gleichzeitig ausgearbeitet werden können ohne die Komponenten der Punktiermaschine zu bewegen, was auch ein wirtschaftlicheres Arbeiten ermöglicht. Des weiteren muß der Bildhauer im Gegensatz zum herkömmlichen Punktieren, keine Punktiervorrichtung am Werkstück bei der Steinbearbeitung entfernen, da das laserunterstützte Punktiergerät nur einen optischen Kontakt zum Werkstück hat.

Nicht nur bei Arbeiten in der Denkmalpflege hat diese Übertragungstechnik das Jahrhunderte alte Punktierverfahren mit dem Punktierkreuz in unserer Werkstatt ersetzt, sondern auch der freischaffende Bildhauer kann seine zuvor modellierten Arbeiten aus Ton und Gips durch das laserunterstützte Verfahren in Stein ausarbeiten.

[Text:Thilo Schlick, Steinbildhauer und Steinmetz]

 
   
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